Krankenhausflur mit Pflegern die sich austauschen und einem Pfleger der ein leeres Bett schiebt.

Mehr Patienten, weniger große Narben

Wie Thomas Carus, neuer Chefarzt im Krankenhaus Bassum, das Klinikum voranbringen will

Bassum

Bassum. Zu Gast im Büro des neuen Chefarztes im Bassumer Klinikum. Erstes Zwischenfazit. Thomas Carus ist gerade unterwegs, ein neues Ge-rät zur Entfernung von Hämorrhoiden zu holen. Vor seinem Schreibtisch stehen – fein säuberlich gestapelt – drei Umzugskartons. Ein Zeichen, dass er nach vier Monaten noch immer nicht richtig angekommen ist? Mitnichten. Er hat reichlich zu tun. Feierabend? „Kenne ich nicht.“

Die Viszeralchirurgie in Bassum, die Orthopädie in Sulingen – so war es bisher aufgeteilt. Und so wird es auch noch eine Zeit lang sein. Danach geht es nach Borwede, ins im Bau befindliche Zentralkrankenhaus. Die Fertigstellung ist für 2028 angepeilt. Bis dahin will Thomas Carus, auch getrieben durch das Krankenhausreformgesetz, das Klinikum in der Lindenstadt „nach vorne entwickeln, damit wir gestärkt ins neue Zentrum umziehen können“.
Der neue Chefarzt Thomas Carus will das Krankenhaus Bassum voranbringen.

Bedarf an Bauch-Chirurgie gewachsen
Entsprechend hat der 59-Jährige seit seinem Umzug aus dem Emsland nach Bassum agiert. Der Bedarf an Bauch-Chirurgie – im Fachterminus Viszeralchirurgie genannt – sei deutlich gewachsen. „Das betrifft Magen,Leber, Galle und Darm“, reiche vom entzündeten Blinddarm bis zum Leistenbruch. Wegen des immer größer werdenden Alters steige zudem das Risiko einer Krebserkrankung in diesem Bereich. Auch Adipositas,also Fettleibigkeit, sei ein großes Thema – vor allem wegen der Auswirkungen auf Herz und Kreislauf.

Für Thomas Carus gilt es deshalb, neue Schwerpunkte zu setzen. Erstes Ziel: eine deutliche Steigerung der Patientenzahl. Zweites Ziel: Intensiver Kontakt zu den ansässigen Hausärzten. Daran hat der Chefarzt bereits gearbeitet. „Ich besuche die Hausärzte nach meinem Dienstschluss am Krankenhaus.“ Nicht nur die Hausärzte in Bassum. Hausärzte im ganzen Landkreis Diepholz. Carus spricht von „sehr gutem kollegialem Austausch und guter Kommunikation“. Mängel sieht er in der Logistik. Und auch der direkte Kontakt zu den Patienten liegt ihm am Herzen.Der sei besser als die Warteschleife. „Da setze ich sehr viel Energie ein.“

Schwerpunkt Schlüsselloch-OP
Thomas Carus möchte auch Schwerpunkte setzen und sprüht dabei vor Ideen. Methodisch will er die Schlüssellochoperationen weiter vorantreiben. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet minimalinvasiv, was bedeutet, keine großen Schnitte mehr machen zu müssen, sondern das Operationswerkzeug durch kleine Öffnungen über Schläuche zum kranken Körperteil zu führen. Das, was viele von Meniskusoperationen im Knie bereits kennen, ist inzwischen auch am Bauch gang und gäbe. 90Prozent der Baucheingriffe würden auf diese Art vollzogen. „Wir operieren in 3D-Technik in 4K-Auflösung. Das können sich viele Patienten gar nicht vorstellen.“

Fachlich sollen die Schwerpunkte künftig auf der Adipositas-Chirurgie und der Proktologie liegen. Adipositas – das ist der Fachausdruck für Fettleibigkeit. Den kann eine Diätassistenz konservativ behandeln, oder aber es wird operativ der Magen verkleinert. In der Proktologie dreht sich alles um den Enddarm. Da „gibt es wenige“ Experten, weiß Thomas Carus. Er allerdings ist einer davon, hat schon eine speziell auf Proktologie konzentrierte Sprechstunde in Bassum eingerichtet. Da gehe es dann um Blutungen, Schmerzen und Hämorrhoiden. „Das ist scham-behaftet, darüber reden die Menschen nicht gerne.“ Das allerdings wäre nötig, denn inzwischen gibt es schmerzlose Hämorrhoiden-Behandlungen, ambulant zudem. „Das ist viel schonender, und hinterher ist man gleich schmerzfrei“, berichtet der Chefarzt. Zu einer Untersuchung bei solchen Symptomen rät Carus auf jeden Fall. Sein Appell: bei Blutungen oder Schmerzen im Enddarm „frühzeitig vorbeikommen“. Meist sei es eine Bagatelle, „es kann aber auch Krebs dahinterstecken. Und dann verlängert ein Eingriff das Leben.“

Wenn Thomas Carus spricht, dann merkt man ihm die Freude an seinem Beruf an. „Das macht mir einfach Riesenspaß.“ Der Doktor der Medizin und der Medizintechnik ist begeistert vom Personal in Bassum, freut sich, schonende Methoden anbieten zu können. Mehr als 3000 Chirurgen hat er bereits mit ausgebildet. Einziges Hobby: Segeln in jeder Form, auch Wind- und Kite-Surfen. Doch viel Zeit bleibt ihm dafür nicht.

ZUR SACHE
Angebot: Nahtkurs für Mediziner
An der Ausbildung
von mehr als 3000 Chirurgen war Thomas Carus bereits beteiligt. Und am 16. und 17. Juni kommen womöglich noch einige dazu. Denn dann begleitet der Doppel-Doktor gemeinsam mit Oberarzt George Zenah den 94. Neuwerker Nahtkurs. Am Freitag stehen von 9 bis19 Uhr Themen wie Laparoskopische Nahtverfahren, Pyloroplastik,Gastrojejunostomie und enteroenterale Anastomosen auf dem Programm. Tags darauf drehen sich die Inhalte um Strikturoplastik, Kolotomie und Ileotransversostomie. Ort des Geschehens ist der Ferienpark „Marissa“ am Dümmer See.Wer an dem Workshop teilnehmen möchte,kann sich per E-Mail anmelden. Wichtig: Vor- und Nachname müssen im Schreiben enthalten sein, dazu Praxis beziehungsweise Klinik, die Anschrift, eine Rechnungsanschrift und die E-Mailadresse. Das alles sollte an chirurgie.bassum@kliniken-lkd.de geschickt werden.

 

Artikel erschienen im Syker Kurier am Mittwoch, 31. Mai 2023 vom Micha Bustian