Krankenhausflur mit Pflegern die sich austauschen und einem Pfleger der ein leeres Bett schiebt.

Neues Testzentrum in Twistringen - Landkreis Diepholz hat zentrale Stelle für Corona-Abstriche von Kategorie-1-Kontaktpersonen eingerichtet

Twistringen

Landkreis Diepholz. In Twistringen ist ein neues Corona-Testzentrum eingerichtet worden. Anders als noch im Frühjahr, als die kassenärztliche Vereinigung ein Testzentrumbetrieben hat, liegt das neue Testzentrum inHänden des Landkreises Diepholz.

Dort können sich nun all diejenigen Kreisbewohner auf das Virus testen lassen, die zwar länger als 15 Minuten unmittelbaren Kontakt zu einem Infizierten hatten, aber selbst keinerlei Symptome der Krankheit aufweisen und somit den sogenannten Kategorie-1-Kontaktpersonen angehören. Die Kreisverwaltung weist im Zuge der Kontaktermittlungen die betroffenen Personen auch gleich auf diese neue Möglichkeit hin.
Seit Anfang November ist das Testzentrum im Gesundheitszentrum an der St.-Annen Straße inzwischen in Betrieb. Jeweils zwei medizinische Mitarbeiter sind immer vor Ort, um dort die Abstriche vorzunehmen und
sich um die Aufnahme zu kümmern. Die Tests werden anschließend an ein Labor in Minden weitergeschickt, wo sie entsprechend ausgewertet werden. ,,zweimal am Tag gehen die Proben dorthin'~ erzählt Kreisrätin
Ulrike Tammen. Im Anschluss bekommen die Betroffenen einen QR-Code, über den sie ihr Ergebnis abrufen können. Bei einem positiven Befund wird außerdem auch die Kreisverwaltung informiert.
Rund 80 Abstriche werden täglich in dem Testzentrum genommen. ,,Aber da ist noch Luft nach oben", erzählt Nadine Brandt, die das Zentrum leitet. Von diesen 80 Tests sind aber im Durchschnitt gerade einmol drei Ergebnisse positiv. ,,Das sind wirklich wenige", hat Brandt beobachtet. Wenn es doch mal fünf positive Befunde auf einmal gebe, seien diese zumeist innerhalb einer Familie.

Neben den Kategorie-1-Kontaktpersonen können sich im Zentrum auch Privatpersonen ohne Kontakt zu einem Infizierten auf das Coronavirus testen lassen, müssen dafür dann allerdings rund 70 Euro  bezahlen. Außerdem kommen auch Reiserückkehrer aus Risikogebieten in das Testzentrum, oder Kreisbewohner werden von ihrem Arzt für einen Test dorthin verwiesen. Wer grippale Symptome hat, für den ist aber auch weiterhin der Hausarzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig.

Weil der Andrang derzeit in dem Testzentrum noch nicht so groß ist, haben Brandt und ihr Team die Öffnungszeiten von zunächst 9 bis 19 Uhr auf 9 bis 17 Uhr reduziert.
,,Die Tendenz zeigt, dass das einfach Ressourcenverschwendung war", erklärt Brandt.
Sollte der Bedarf aber irgendwann deutlich steigen, sei es jederzeit möglich, die Zeiten auch wieder auszuweiten. Die Tests, die dort vor Ort durchgeführt werden, sind dabei rein freiwillig. Wer zu den asymptomischen Kontaktpersonen zählt, muss ebenso wie die Reiserückkehrer ohnehin für 14 Tage in Quarantäne gehen. Die Kategorie-1-Kontaktpersonen haben aber darüber hinaus Anspruch auf einen Test- auch wenn ein negatives Ergebnis nicht heißt, dass die Quarantäne vorzeitig verlassen werden darf.

Wer dennoch Gewissheit haben möchte, kann sich im Corona-Testzentrum einen Termin geben lassen. Erreichbar ist das Team dort telefonisch unter der Rufnummer 04243/41530500. Weitere Infos zum Testzentrum
gibt es außerdem online unter www.kliniken-lkd.de/testzentrum. Nach der Einrichtung des Zentrums hat die Kreisverwaltung nun auch in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt ihre Teststrategie im Bereich von Schulen und Kindertagesstätten geändert. Vor dem Hintergrund, dass nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts Kinder und jüngere Jugendliche seltener vom Coronavirus betroffen
und sie nicht als Treiber der Pandemie zu identifizieren sind, ,,sollen die Testkapazitäten nun effizienter und zielgerichteter ein-gesetzt werden': teilt Landkreis-Sprecherin Mareike Rein mit.
Denn bisher sind bei einem aufgetretenen Einzelfall an einer Schule oder Kita die mobilen Teams vom Deutschen Roten Kreuz, mit dem die Kreisverwaltung kooperiert, zur jeweiligen Einrichtung hingefahren und haben vor Ort größere Mengen an Tests durchgeführt.
Doch die dort absolvierten Massentests von asymptomatischen Schülern waren oft nur wenig ergiebig: So haben etwa 454 Abstriche, die in der vergangenen Woche anlässlich von Reihentestungen an Schulen
und Kindergärten im Landkreis genommen wurden, lediglich einen positiven Corona-Befund ergeben.
Solche Reihen-Testungen ganzer Schulklassen oder Kitagruppen vor Ort sollen deswegen künftig nur noch in Ausnahmefällen erfolgen. ,,An Schulen und Kitas werden daher zukünftig nur noch Tests für Kontaktpersonen durchgeführt, wenn es Hinweise auf ein größeres Infektionsgeschehen gibt", erklärt Rein weiter. Ansonsten gilt für Schüler und Kindergartenkinder das Gleiche, wie für alle anderen: Wer zu den Kategorie-1-Kontaktpersonenzählt, muss 14 Tage in Quarantäne gehen und kann sich im Corona-Testzentrum in Twistringen abstreichen lassen.

Durch die geänderte Strategie sollen die Testkapazitäten wirksamer eingesetzt werden. Praxen, Testzentren und Labore sollen sich so besser auf besonders schützenswerte Personengruppenkonzentrieren können, die ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, wie etwa Bewohner und Patienten von Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Kliniken. Bei einem Ausbruch in einer solchen Einrichtung soll auch weiterhin mithilfe der mobilen Teams vom DRK direkt vor Ort getestet werden.

 

Artikel erschienen im Syker Kurier am Dienstag, den 17. November 2020, von Esther Nöggerath

Stefanie Terjung vom Team des Testzentrums kümmert sich an diesem Tag um die Aufnahme.

Josef Banas ist einer derjenigen die die Corona-Tests vor Ort vornehmen