Krankenhausflur mit Pflegern die sich austauschen und einem Pfleger der ein leeres Bett schiebt.

Info-Abend in Twistringen - Rückenwind für Zentralklinikum

Twistringen

Bei einem Informationsabend rund um die Pläne zum Neubau eines Zentralklinikums vom Landkreis Diepholz im Twistringer Ortsteil Borwede haben die meisten Besucher ihre Zustimmung für das Vorhaben signalisiert.

Twistringen. Viele Twistringer Bürger stehen offenbar hinter den Plänen des Landkreises Diepholz für den Bau eines neuen Zentralklinikums in ihrer Stadt. Das ist am Dienstagabend bei einem Informationsabend im Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, zu dem Bürgermeister Jens Bley geladen hatte, deutlich geworden. Alle Plätze, die aufgrund der Corona-Regelungen entsprechend mit Abstand im Forum aufgestellt worden waren, waren an dem Abend belegt. Und auch wenn es die ein oder andere kritische Nachfrage gab, wurde doch von den meisten Besuchern auch signalisiert, dass sie dem Vorhaben positiv gegenüberstehen.

Wie berichtet, plant der Landkreis Diepholz, statt der drei bisher bestehenden Krankenhäuser in Bassum, Sulingen und Diepholz ein Zentralklinikum für den gesamten Kreis zu bauen. Nach einem Ranking um die eingereichten Standorte der Mitgliedskommunen hatte der Kreistag letztlich für den Favoriten, eine Fläche im Twistringer Ortsteil Borwede, gestimmt. Auf Platz zwei in dem Ranking war übrigens auch Twistringen gelandet – mit einem Areal im Ortsteil Mörsen.

Wieso nun ausgerechnet Borwede in dem Ranking das Rennen gemacht hat, erklärte am Dienstag Uwe Lorenz, Geschäftsführer des Klinikverbunds Landkreis Diepholz, noch einmal. Während Mörsen und Borwede in einigen Punkten wie Bebaulichkeit, Verfügbarkeit oder auch Bodenbeschaffenheit ziemlich gleichauf lagen, konnte Borwede vor allem in Sachen Grundstückszuschnitt und Erreichbarkeit (insbesondere auch aus dem südlicheren Landkreis) punkten. Ein Nachteil in Mörsen sei außerdem die unmittelbare Wohnbebauung um das Areal herum. Zum einen gebe es dadurch keine größeren Erweiterungsmöglichkeiten. Außerdem schnitt Borwede deswegen in puncto Störfaktor besser ab. „So ein Krankenhaus ist ein 24/7-Betrieb“, erklärte auch Bürgermeister Jens Bley, der persönlich zunächst das Mörsener Grundstück für das attraktivere gehalten hatte. Das dürfe man bei so einer Planung nicht unterschätzen. Durch Anlieferungen, Hubschrauber und Krankenwagen würde entsprechend auch Lärm entstehen.

In Sachen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) schnitt dagegen die Mörsener Fläche, die fußläufig zum Bahnhof liegt, besser ab. Wie genau eine ÖPNV-Verbindung in Borwede aussehen könnte, wollte dann auch einer der Bürger wissen. „Wir haben uns da schon erste Gedanken zu gemacht“, erklärte Landrat Cord Bockhop, der aber auch noch einmal darauf verwies, dass auch an den derzeitigen drei Klinik-Standorten das Gros der Mitarbeiter und Besucher mit Auto anreise. Trotzdem wolle man den ÖPNV entsprechend anpassen. Denkbar wäre ein Shuttle-Service zum Bahnhof, etwa zu den Schichtwechseln in der Klinik. Wie häufig ein solcher Shuttlebus verkehren würde, hänge dabei aber auch von der Akzeptanz und Nutzung ab. Außerdem sei es möglich, bestimmte Buslinien so anzupassen, dass sie mit einem Schlenker auch am Krankenhaus Halt machen könnten.

Ein Lehrer des Gymnasiums, der die Veranstaltung ebenfalls interessiert begleitete, berichtete, dass ihm gegenüber die meisten Menschen signalisiert hätten, dass sie für das Zentralklinikum und auch den Standort in Borwede seien. Allerdings hätten ihn nun auch einige besorgte Bürger aus Borwede angesprochen, die insbesondere die Flächenversiegelung kritisch sehen und durch die sich einige Landwirte teils auch in ihren Existenzen bedroht fühlten. Bockhop versicherte, dass man, wo man die Wahl habe, der Landwirtschaft nach Möglichkeit auch keine Flächen wegnehmen werde, sich die Flächenversiegelung aber nicht immer vermeiden lasse.

Dass für die Twistringer das Zentralklinikum auch gewisse Chancen bietet, wurde ebenfalls in einigen der Fragestellungen aus dem Publikum deutlich. So ging es etwa um einen möglichen Kreisel im Bereich der B51, den die Landesbehörde bislang abgelehnt hat, weil kein Bedarf dafür da sei. „Durch  das Krankenhaus und dadurch höheres Verkehrsaufkommen“ könne sich das durchaus ändern, erklärte Bley. Und auch die Möglichkeit neuer Baugebiete, zwar nicht in unmittelbarer Nachbarschaft des Krankenhauses, bestehe. Wenn das Krankenhaus sicher nach Borwede komme, hätte man etwa die Möglichkeit, dann das Areal in Mörsen städtebaulich weiter zu entwickeln, erklärte Bley.

Kritik an dem Vorhaben generell äußerte jedoch ein Besucher aus Wagenfeld, der monierte, dass ein Patient aus Lemförde bei dem langen Anfahrtsweg nach Twistringen bereits versterben könne. Uwe Lorenz erklärte daraufhin, dass die Lemförder auch jetzt schon nicht in die Krankenhäuser im Landkreis fahren würden, sondern in Nachbarkreise, weil die Kliniken dort näher liegen. „Das Gleiche gilt für Weyhe und Stuhr, die eher nach Bremen fahren“, erklärte Lorenz. Gerade im extremen Norden und Süden des Landkreises Diepholz würden sich die Leute auch heute schon anderweitig orientieren. 

Rückenwind für das Vorhaben kam dagegen auch noch einmal von den Gewerbetreibenden aus Twistringen. „Wir stellen fest, dass es eine breite Zustimmung gibt“, berichtete Christian Wiese von der Gemeinschaft der Unternehmen in Twistringen (GUT). Um die Unterstützung für das Zentralklinikum zu zeigen, hat die GUT außerdem eine Aktion mit Aufklebern gestartet, die nicht nur in der Sitzung verteilt wurden, sondern die es auch in allen Geschäften der GUT geben wird. „Mein Ja habt ihr! Zentralklinik Standort Twistringen“ steht darauf. Jens Bley erklärte abschließend auch noch einmal, wie wichtig der Zusammenhalt in der Angelegenheit ist: „Dieses Projekt wird nur gelingen, wenn wir es gemeinsam voranbringen.“

 

Artikel erschienen im Syker Kurier am Mittwoch, den 15. July 2020, von Esther Nöggerath

Bürgermeister Jens Bley erklärte an dem Abend im Gymnasium auch noch einmal das Vorgehen und dieAuswahl der Grundstücke aus Sicht der Twistringer. Foto: Vasil Dinev