Krankenhausflur mit Pflegern die sich austauschen und einem Pfleger der ein leeres Bett schiebt.

Zentralklinik bringt Mehrwert - INTERVIEW - Bürgermeister Jens Bley setzt auf Effekte für weitere Stadtentwicklung

Twistringen

Twistringen – Ein gewaltiger Brocken, nicht gerade aus finanzieller Sicht, kommt auf die Stadt Twistringen zu, nach der Entscheidung des Kreistages für Borwede als Standort für die Zentralklinik. Die Klinikgesellschaft Landkreis Diepholz braucht 187 Millionen Euro vom Land für den Bau – und für die Option einer Kinderklinik weitere 16,5 Millionen Euro. Was kommt auf Twistringen zu? Fragen an Bürgermeister Jens Bley.

Herr Bley, haben Sie das Abstimmungsergebnis im Kreistag so erwartet oder ist es sogar deutlicher für Borwede ausgefallen als Sie erwartet hatten? Sind Sie zufrieden damit?
Nein, in dieser Deutlichkeit habe ich das Ergebnis nicht erwartet. Ich bin allerdings davon ausgegangen, dass der Entscheidungsvorschlag der Kreisverwaltung eine breite Zustimmung finden wird.

Haben Sie die Entscheidung selbst miterlebt, was haben Sie gleich nach dem Beschluss des Kreistages gedacht, und wie haben Sie die Reaktionen aus Ihrem Umfeld aufgenommen?
Ja, ich habe als Gast an der Kreistagssitzung teilgenommen. Ich bin sehr erfreut gewesen, dort zahlreiche Bürger aus Twistringen gesehen zu haben. Daran wird nochmals deutlich, dass diese Entscheidung auch für den Twistringer Bürger von großer Bedeutung ist.
Meine Familie und Freunde haben sich ebenfalls auf den Weg nach Bruchhausen-Vilsen gemacht. Nach Bekanntgabe der Entscheidung ist mir meine Tochter in die Arme gelaufen und hat gefragt, ob das Krankenhaus nun nach Twistringen kommt. Davon war ich sehr gerührt. Ich habe ihr jedoch gesagt, dass wir jetzt noch viel zu tun haben.

Wie geht es jetzt weiter für die Stadt? Haben Sie schon einenFahrplan?
Herr des Verfahrens ist der Landkreis. Wir stehen bereits in Gesprächen. Wir werden einen Fahrplan gemeinsam abstimmen. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Landkreis eine sehr gute Zusammenarbeit gestalten werden.

Welche Aufgaben kommen auf die Stadt zu, etwa die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für Borwede?
In Abstimmung mit dem Landkreis wird es nun erforderlich sein, die Fläche im Flächennutzungsplan als ein Sondergebiet auszuweisen. Basierend darauf wird es möglich sein, einen rechtskräftigen Bebauungsplan zu erlassen. Zudem werden wir uns darum kümmern, entsprechende Angebote von Gutachtern einzuholen. Es wird auch Aufgabe der Stadt sein, die Bürger über das Vorhaben hinreichend zu informieren, mögliche Ängste und Bedenken zu nehmen und das Bauleitverfahren positiv zu begleiten. All diese Punkte werde ich stets in sehr enger Abstimmung mit dem Landrat angehen.

Wer erwirbt die bereits öffentlich angesprochene Ackerfläche von knapp zwölf Hektar an der B 51 - der Landkreis oder die Stadt, oder ist das Areal bereits gekauft?
Diese Frage steht in der ausschließlichen Zuständigkeit des Landkreises.

Twistringen hat erwartungsgemäß den Zuschlag für die neue Zentralklinik bekommen. Haben Sie dies ein bisschen gefeiert, etwa mit ihrem Team?
Selbstverständlich haben wir gehofft, den Zuschlag zu erhalten. Als ich von der außerordentlich guten Nachricht gehört habe, habe ich mich unglaublich gefreut. Ich habe mich insbesondere für meine Mitarbeiter gefreut, die sehr viel Arbeit und Engagement in die Bewerbung gelegt haben. Es ist nicht nur ein Zeichen von Fleiß, sondern auch von Qualität.

Was erhoffen Sie sich von der Ansiedlung der Zentralklinik in den kommenden Jahren?
Die Effekte werden vermutlich erst dann eintreten, sobald das Krankenhaus in Betrieb genommen ist. Selbstverständlich werden wir die mögliche Krankenhausansiedlung als Argument nutzen und die Planungen der Umgehungsstraße vorantreiben. Vielleicht werden sich Fachärzte in Vorgriff auf die Inbetriebnahme in Twistringen ansiedeln, möglicherweise auch Beschäftigte des Krankenhauses hier ihr zu Hause finden. Damit verbinde ich durchaus auch positive Effekte für unseren Einzelhandel sowie für unsere Unternehmen. Zudem ist das Krankenhaus selbst ein sehr guter wie großer Arbeitgeber. Damit werden unseren Kindern weitere berufliche Perspektiven vor Ort geboten. Mit der möglichen Ansiedlung des Krankenhauses könnte Twistringen durchaus zu einem Grundzentrum mit mittelzentraler Bedeutung für die medizinische Versorgung im Landkreis werden.

Hand aufs Herz: Wie gehen Sie nun mit der Erwartungshaltung der Politik, des Gewerbes und der Bevölkerung und letztlich auch mit dem Erfolgsdruck um?
Ich verfüge über ein sehr gutes Team im Rathaus. Damit wird es gelingen, diese Herausforderung zu meistern. Der politische Raum hat von Anfang an das Vorhaben positiv begleitet. Ich meine auch, dass es eine sehr breite Zustimmung in der Stadt für die Ansiedlung der Klinik gibt. Zurzeit empfinde ich das Verhalten der Twistringer sehr positiv. Sie haben sich überwiegend zurückgehalten, was ich als Respekt gegenüber den anderen Kommunen als sehr sympathisch empfunden habe. Mit der Kreistagsentscheidung vom Montag sollten die Twistringer sich nun auch freuen dürfen und zeigen, dass sie mit großer Mehrheit hinter diesem Projekt stehen.

 

Artikel erschienen in der Kreiszeitung am 25.06.2020, von Theo Wilke

Der Grundstückskauf an der B 51 ist ausschließlich Sache des Landkreises. Foto: Theo Wilke